Der Eisvogel vom Stausee
Ein Nachmittag am Klingnauer Stausee: ein Eisvogelweibchen am Ansitz, ein Stockenten-Erpel im Schlichtkleid und ein Wasserfrosch auf der Sonnenbank – Ende August im Ramsar-Gebiet vor der Haustür.
Manche Orte muss man nicht suchen, man kehrt einfach zurück. Der Klingnauer Stausee liegt vor meiner Haustür, seit 1979 Ramsar-Gebiet, über 280 nachgewiesene Vogelarten – im Februar hat er mir schon einmal einen Eisvogel geschenkt. Ende August wollte ich wissen, ob der Ansitz noch steht.
Er stand. Vorher aber Hopfendolden am Uferweg und eine Stockente, die auf den ersten Blick nach Weibchen aussah – bis der einfarbig gelbe Schnabel sie verriet: ein Erpel im Schlichtkleid. Nach der Brutzeit verlieren die Männchen alle Schwungfedern auf einmal, drei bis vier Wochen flugunfähig. Tarnfarbe ist da keine Modefrage.
Und dann das blaue Blitzen. Der Eisvogel jagt vom Ansitz aus, stösst kopfüber ins Wasser und muss dabei die Lichtbrechung an der Oberfläche einrechnen – der Fisch ist nie dort, wo er ihn sieht. Was von aussen wie Rumsitzen wirkt, ist Arbeitszeit: bis zu 60 Prozent seines Körpergewichts braucht er am Tag. Ich blieb still, er wechselte den Platz, drehte sich ins Licht. Der orange Unterschnabel verriet mir, wen ich vor der Linse hatte: ein Weibchen. In der Schweiz brüten nur wenige hundert Paare.
Dann ein Flügelschlag, Körper scharf, Flügel verwischt – und weg. Der Stausee liefert wieder.











